Aufbruch
vor der Barbarei
– unter diesem Titel beschäftigt
sich c.t.201 seit drei Jahren in seinen Produktionen mit der Zeit
zwischen 1900 und der Nazi-Diktatur: ein halbes Jahrhundert voller
politischer Turbulenzen, gesellschaftlicher Umbrüche und künstlerischer
Neuerungen.
Die Welt verändert sich damals radikal. Die stetig
fortschreitende technische Entwicklung führt zu Erfindungen und
Bautätigkeiten nie gekannten Ausmaßes. Die Naturwissenschaften
revolutionieren unseren Blick auf die Welt, und die Psychoanalyse
eröffnet völlig neue Zugänge zur Seele. Viele sind mit diesen raschen
Umwälzungen tradierter Werte und Weltbilder überfordert. Ganz im
Gegenteil die Künstler aller Sparten, die all diese Innovationen
begeistert aufnehmen und für sich nutzen: der Expressionismus in
Malerei und Literatur, das Bauhaus, die Zwölftonmusik – um nur die
wenigsten zu nennen. Sie alle schaffen sich Zirkel und Kreise, in denen
man gemeinsam gegen das überkommene Alte anrennt, neue Formen findet
und sich in der gemeinsamen Arbeit weiterentwickelt.
Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zeichnet sich in der
Rückschau durch einen enthusiastischen Aufbruchswillen aus, dem wir in
unserer Projektreihe nachspüren. In weiter
anfangen. wir fangen an
beschäftigten wir uns mit Gertrude Stein, ihren Umgang mit Sprache und
Text, der den Rahmen der bis dato bekannten Schriftstellerei vollkommen
sprengte. In Der andere Weg beleuchteten wir auf der Grundlage einer
musikalischen Vorgabe die gesellschaftlichen Umbrüche jener Zeit. In
Toller / Fallada
widmeten wir uns zwei Schriftstellern, die an den
politischen Umständen persönlich und künstlerisch verzweifelten. In 12
nähern wir uns nun Arnold Schönberg, der mit seiner Zwölftontechnik die
tonale Musik in Frage stellte und eine ganze Kunstform radikal
erneuerte. Die Reihe wird ergänzt durch unsere Lesespiele. Nach Das
Kränzchen, in dem wir uns der Frauenliteratur bis 1945
angenommen
haben, folgt Ende des Jahres eine Produktion zu Thomas Manns Dr.
Faustus, in dem wir ebenfalls das Motiv der Zwölftonmusik
aufnehmen
werden. Und danach beginnen wir unsere neue Projektreihe – die UMBRÜCHE
nach 1945.
